Sonntag, 05. September 2010
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"Ich ernte, wenn bestellt wird" AHGZ vom 10.02.2007

Gastronomie Die Kleineren (15)


„Ich ernte, wenn bestellt wird“


Die „Eiche“ ist ein Lokal, wie es der traditionelle Name verheißt: ein heimeliges Haus mit Wirt und Wirtin, die jeder kennt, und mit regionaler Küche. Das hätte auch anders kommen können – was der Koch Peter Ciba vor neun Jahren zu verhindern wusste

Autor
Marlis Heinz

AUERBACH. „Kürzlich kamen die Kindergärtnerinnen mit einer Bitte um Blechbüchsen zum Zielwerfen zu mir“, erzählt Peter Ciba, der Wirt des Gasthofes Zur Eiche in Auerbach. „Doch ich konnte ihnen nicht helfen. Hätten sie Gemüsekisten aus Holz gewollt, dann ja. Aber aus Dosen kommt mir nichts in den Topf!“

Mag sein, dass die Kindergärtnerinnen enttäuscht davonzogen, aber die Gäste von Peter Ciba und seiner Frau Mandy verlassen das Haus in aller Regel höchst zufrieden. Sonst könnte der Wirt nicht sagen: „Der vergangene Dezember war der beste seit der Euro-Umstellung. Insgesamt war das ganze Jahr erfolgreich – 1500, manchmal sogar 2000 Gäste hatten wir pro Monat, 75 Prozent davon sind Stammgäste.“

Ciba lernte den Beruf in seiner vogtländischen Heimat, suchte noch vor dem Fall der Mauer den Weg in den Westen, ging dort auf Wanderschaft und studierte an der Hotelfachschule Bad Wörishofen. Anfang der Neunziger zurückgekehrt, brachte er zuerst das Lokal eines Kleingartenvereins kulinarisch in Schwung.

Erhebliche Investition

„Dort war ich in Lauerstellung, um etwas Besonderes zu finden. Der historische Gasthof Zur Eiche, in DDR-Zeiten ein Treff der Ost-Rock-Fans, stand da schon jahrelang leer. Die Kommune schrieb das Objekt zum Verkauf aus“, erzählt Ciba. „Also kaufte ich das Haus 1998 und weckte es mit einer Investition von 600.000 Mark aus dem Dornröschenschlaf. Seitdem ziehen wir unser Konzept durch. Kompromisslos.“

Wir, das ist im Gasthof Zur Eiche (fast) die ganze Familie: Peter und Mandy Ciba, beide Köche, Cibas Mutter, eine Industriekauffrau, die die Buchhaltung managt, der Vater, pensionierter Mathematiklehrer und Schulleiter. Der, so sein Sohn, „von Leergut bis zu Gästestatistik“ alles im Blick habe. „Und so – als Familie – kennen uns auch unsere Gäste. Wenn meine Frau mal in der Küche etwas Luft hat, kommt sie heraus und redet mit ihnen. Ich manage das Ganze, aber mehrmals in der Woche stehe ich auch am Herd. Die Mutter packt auch mal beim Service mit zu“, berichtet Peter Ciba. „Job-Rotation würde man das in einem großen Unternehmen nennen. Ich nenne es einfach Familienbetrieb. Selbst unsere kleine Tochter tüftelt schon Salatteller aus.“

Die Vorstellung, in der „Eiche“ könnte etwas anderes als Gastlichkeit stattfinden, ist befremdlich. Zumal Ciba vielerorts auf die gastliche Historie des Gebäudes hinweist: An den Wänden hängen alte Fotos, auf denen sich Gesangsverein, Schulklasse oder Turnerriege vor der Fassade postiert haben. Hier fand das gesellschaftliche Leben statt – und findet es auch heute wieder. Im kommenden Sommer zum Beispiel soll es im Saal lateinamerikanisch zugehen, bei Salsa-Nächten mit passender Musik und Küche und untter der Anleitung eines Tanzlehrers. Doch nicht Familienanschluss, Gemütlichkeit oder Veranstaltungen sieht Peter Ciba als den Trumpf an, der ihm die Gäste ins Haus lockt. „Es ist die Küche, es sind unsere regionalen und dennoch leichten Gerichte. Wir machen unsere Bambes – also die Puffer – aus selbst geschälten und geriebenen Kartoffeln. Manches Gemüse bauen wir im Garten selber an. Das ernte ich erst, wenn es bestellt wird, gehe mit dem Körbchen beim Gast vorbei und sage ihm 'Das wird Ihr Salat – nur ohne Schnecke.' Warum soll ich Smalltalk übers Wetter machen, wenn ich mit meiner Küche angeben kann?“

Marlis Heinz